Städte in ganz Europa stehen vor der doppelten Herausforderung, Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig einen gerechten Übergang zu gewährleisten und die Widerstandsfähigkeit der Städte zu verbessern. Wie wir auf Nachbarschaftsebene planen, uns anpassen und handeln, wird nicht nur die CO2-Emissionen beeinflussen, sondern auch die Lebensqualität der Gemeinden. Dies ist die treibende Kraft hinter UP2030, einem Projekt im Rahmen von Horizon Europe, das Städte dabei unterstützt, ihre Ziele zur CO2-Neutralität zu erreichen.
TSPA leitete die Entwicklung der Co-Design-Methodik von UP2030, einem strukturierten und dennoch flexiblen Prozess, der Städten dabei hilft, gemeinsame Visionen für CO2-neutrale, gerechte und widerstandsfähige Stadtteile zu entwickeln. Die Methodik ermöglicht es lokalen Behörden und Gemeinden, sowohl das Was als auch das Wie der Zukunftsvision gemeinsam zu gestalten, indem sie adaptive Wege nutzen, die langfristige Ziele mit umsetzbaren Schritten verbinden.
Visionen als Instrument für Veränderungen nutzen
Die Nachfrage nach klimaneutralen Visionen für Stadtteile, Städte oder Regionen ist in den letzten Jahren gestiegen. Diese Visionen sind Instrumente, um komplexe Herausforderungen durch eine integrative, zukunftsorientierte Stadtplanung anzugehen. Während viele Städte bereits Klimaziele und -strategien haben, fehlt es oft an umsetzbaren, lokal verankerten Plänen, die integrativ und anpassungsfähig sind. Die im Rahmen von UP2030 entwickelte Co-Design-Methodik ist eine direkte Antwort auf diesen Bedarf. Sie bietet einen schrittweisen Fahrplan für die Definition lokaler Ambitionen, deren Abstimmung mit bestehenden Richtlinien, die Identifizierung von Governance-Hindernissen und die Umsetzung von Zielen in Maßnahmen. Die Methodik folgt klaren Meilensteinen: von der Zielsetzung und räumlichen Bewertung bis hin zu Pilotvisionen und adaptiven Pfaden.
Entwerfen mit – nicht für
Im Mittelpunkt der Methodik steht das Co-Design. Städte sind keine Ausführenden externer Pläne, sondern Partner bei der Gestaltung ihres Wandels. Der Prozess konzentriert sich auf die Einbindung von Kommunalverwaltungen, Gemeindemitgliedern, Forschern und technischen Experten.
Um dies zu unterstützen, haben TSPA und Mapping for Change ein Engagement-Toolkit entwickelt, das Brainstorming-Sitzungen, partizipative Kartierung und Übungen zur Szenarioentwicklung umfasst.
Im Rahmen unserer Arbeit bei UP2030 und anderen Projekten haben wir beobachtet, wie sich die Rolle der Stadtplanung von einer technischen Disziplin zu einem moderierenden Prozess gewandelt hat. Planer sind zunehmend gefordert, den Wandel zu ermöglichen, indem sie die Beteiligung fördern und Diskussionen in räumliche Ergebnisse umsetzen. In unseren Pilotstädten war kein Masterplan erforderlich, sondern vielmehr ein flexibler Rahmen, der fragmentierte Bemühungen zusammenführt und gemeinsame Wege zur Umsetzung definiert.
Die Methodik ist nicht präskriptiv, sondern modular und kann an unterschiedliche städtische Realitäten angepasst werden. Städte haben die Möglichkeit, ihre lokalen Kontexte aufeinander abzustimmen – ein Ansatz, der sich in dem vielfältigen Umfeld der UP2030-Pilotprojekte als unverzichtbar erwiesen hat.
Vom Papier zur Praxis
Die Methodik wurde inzwischen in Städten wie Rotterdam, Mailand, Granollers, Münster und anderen angewendet, wobei jede Stadt ihren eigenen Prozess und ihre eigenen Ergebnisse hat.
In Belfast wurde durch Co-Design ein reproduzierbares Modell für die Umstellung von Geschäftsvierteln auf Netto-Null entwickelt. Das Linen Quarter soll Nordirlands erstes nachhaltiges Geschäftsviertel werden, in dem Baumpflanzungen, grüne Infrastruktur und nachhaltige Mobilität integriert werden.
In Budapest wurde in Workshops untersucht, wie die Healthy Streets Methodology die Planung in der ganzen Stadt beeinflussen kann.
Der Ansatz der adaptiven Pfade, der ursprünglich in der Wasserwirtschaft verwendet wurde, gewinnt in der städtischen Klimaplanung zunehmend an Bedeutung. Seine Stärke liegt in seiner Flexibilität. Anstelle eines linearen Prozesses definiert das Granollers-Modell mehrere Trajektorien, Maßnahmencluster und Entscheidungspunkte, die eine Anpassung an veränderte Bedingungen ermöglichen.
Jede Stadt entwickelte ihre eigenen adaptiven Pfade, um ihre Vision zu verwirklichen, und antizipierte dabei Herausforderungen von politischen Veränderungen bis hin zu finanziellen Einschränkungen. Dabei handelt es sich nicht um feststehende Pläne, sondern um lebendige Dokumente, die flexibel genug sind, um sich im Laufe der Zeit weiterzuentwickeln, und robust genug, um als Leitfaden für Maßnahmen zu dienen.
Was kommt als Nächstes?
Während Städte sich in Richtung Prototyping und Umsetzung bewegen, dienen die gemeinsam entwickelten Visionen und Wege als Bezugspunkte. Sie sind auf Iteration ausgelegt und unterstützen Städte dabei, mit Unsicherheiten umzugehen und gleichzeitig ihre langfristigen Ziele im Blick zu behalten.
Der UP2030-Prozess schuf auch Raum für Städte, um Hindernisse und Lösungen auszutauschen und ein gemeinsames Verständnis dafür zu entwickeln, was CO2-Neutralität, Resilienz und gerechte Tradition in verschiedenen städtischen Kontexten bedeuten.
Im weiteren Sinne schlägt UP2030 ein neues Modell für die städtische Transformation vor, das das Wissen, die Handlungsfähigkeit und die Bestrebungen der Städte und ihrer Gemeinden in den Mittelpunkt stellt.