Der Paradox der Russischen Städte
Russische Städte profitieren oft von einer funktionierenden Stadtverwaltung, einer aktiven Zivilgesellschaft und einem starken Rahmenwerk an städtischen Vorschriften. Dennoch scheinen sie, wenn man den aktuellen Zustand der städtischen Umwelt betrachtet, weit vom Ideal einer attraktiven, lebenswerten Stadt entfernt zu sein.
Thomas von TSPA und Anton Shatalov von Projektdevelopment – einem jungen und innovativen Büro, das zur aufstrebenden Stadtplanungsszene in Sibirien beiträgt – diskutieren dieses Paradoxon am Beispiel von Krasnojarsk.
Das Gespräch wurde von GorodPrima moderiert.🔗 Lesen Sie den vollständigen Dialog (auf Russisch): Ein Masterplan löst keine Probleme
“Auszug aus dem Dialog (übersetzt)
Anton: Wenn Menschen gutes Design wahrnehmen und schätzen, wer sollte dann seine Einstellung ändern? Für viele ist dieser Zusammenhang vielleicht nicht offensichtlich. Die meisten Menschen sind nicht bereit, mehr für Design zu bezahlen, weil sie es nicht als Notwendigkeit ansehen.
Thomas: Lassen Sie mich drei Studien zur Lebensqualität vorstellen:
1. Die erste stammt aus Berlin, wo Forscher die Wohnformen für ältere Menschen untersuchten. Sie fanden heraus, dass in Gebäuden mit gemeinsamen Fluren – Räumen, in denen Nachbarn miteinander interagieren können – deutlich weniger Notrufe getätigt wurden. Die Nachbarn halfen sich gegenseitig, bevor jemand einen Krankenwagen rief.
2. Die zweite Studie stammt aus den USA, wo Forscher zeigten, dass in Gegenden, in denen die Straßen begehbar waren und Autos nicht notwendig waren, die Menschen mehr zu Fuß gingen, weniger Gewicht zulegten, gesünder waren und länger lebten.
3. Und schließlich bestätigten Analysten in Barcelona, dass die Stadt für jeden Euro, der in Infrastruktur und öffentlichen Raum investiert wurde, drei Euro zurückbekam – durch Steuern, Wertsteigerungen von Grundstücken, Mieten, Tourismus und mehr. Eine einfache wirtschaftliche Logik, die quantifiziert werden kann.