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Konzeptionelles Leitbild für das kommunale Nachbarschaftsforum Berlin-Brandenburg

Region

Europa und Nordamerika

Datum

April 2024 - Juli 2025

Leistung

Stadtplanung und -transformation

Projektdetails

Ort

  • Berlin, Brandenburg (Deutschland)

Typ

  • Auftrag

Kunde

  • Kommunales Nachbarschaftsforum (KNF) Berlin-Brandenburg e.V.

Partner

  • Reicher Haase Assoziierte GmbH

Das Kommunale Nachbarschaftsforum Berlin-Brandenburg (KNF) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Städten, Landkreisen und Bezirken in Berlin und Brandenburg. Seine Aufgabe besteht darin, die Ziele seiner Mitglieder zu harmonisieren, die Stimmen wirtschaftlich benachteiligter Regionen zu stärken und eine gemeinsame regionale Identität und Vision zu fördern.

Die Hauptaufgabe des KNF besteht darin, Kooperationsprozesse, insbesondere bei übergreifenden Initiativen und grenzübergreifenden Prozessen, zu optimieren und die Zusammenarbeit und Austausch zwischen den Mitgliedern zu stärken.

TSPA hat gemeinsam mit bgmr Landschaftsarchitekten und dem Planungsbüro Reicher Haase Assoziierte (RHA) im Rahmen eines 14-monatigen Unterstützungsprozesses in Zusammenarbeit mit der KNF ein konzeptionelles Leitbild entwickelt. In aufeinanderfolgenden Phasen wurden neben dem Benchmarking von Best Practices auch die strategischen Ziele und Kernaussagen des KNF sowohl intern als auch extern vertretene Standpunkte geschärft. Wir haben eine zukunftsorientierte konzeptionelle Vision für die KNF entwickelt, die die Hauptziele des Verbandes für die kommenden Jahre festlegt und erste Schritte zu deren Erreichung vorschlägt. Wir haben uns dafür eingesetzt, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Großraum Berlin zu fördern und einen gemeinsamen Rahmen für zukünftige Prioritäten zu schaffen.

Das Projekt hat im Gegensatz zu einem klassischen Leitbild einen theoretischen Strategieplans als Endprodukt hervorgebracht: einer Roadmap mit Empfehlungen und Fallstudien, die als Leitfaden für die zukünftige Arbeit der KNF dienen und koordinierte Maßnahmen ermöglichen sollen.

Interkommunale Kooperation in Berlin und Brandenburg verstehen

Obwohl das föderale System Deutschlands den Kommunen weitgehende Autonomie in Bauleitplanung und städtebaulicher Entwicklung gewährt, stößt diese Freiheit in der Praxis an deutliche Grenzen. Anders als in zentralistisch organisierten Staaten gibt es in Deutschland kein einheitliches, landesweites Bauplanungsrecht, sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Bundesgesetzen, Landesbauordnungen und kommunalen Bebauungsplänen. Die größte Herausforderung für neue Wohnbauprojekte und Nachverdichtung liegt jedoch im Grundstücksmarkt: Viele Städte und Gemeinden – auch innerhalb der Metropolregion Berlin – verfügen über nur begrenzte eigene Flächenreserven. Häufig liegt das Bauland in privater Hand oder ist durch bestehende Nutzungen, rechtliche Vorgaben oder hohe Bodenpreise blockiert, was zu Engpässen in der Flächenentwicklung führt.

Stakeholder Universe der aktiven Mitglieder und aktuellen Vorstandsmitglieder (Mitte, grau), der assoziierten Mitglieder, extern engagierten oder potenziellen zukünftigen Mitglieder und Institutionen für Zusammenarbeit (weiß, blau)

In diesem Kontext bietet ein Stakeholder Universe einen klaren Mehrwert: Es visualisiert die Vielzahl relevanter Akteure, deren Verantwortlichkeiten, Interessen und Vernetzungen auf regionaler Ebene. So können komplexe Entscheidungsprozesse transparenter gemacht, Kooperationspotenziale erkannt und Konfliktfelder frühzeitig adressiert werden.

Die Zusammensetzung und die Interessensfelder des KNF lassen sich direkt aus einem solchen Ansatz ableiten: Als Netzwerk aus Städten, Gemeinden, Landkreisen, Bezirken und Fachverwaltungen bündelt der KNF unterschiedliche Schnittstellen und Perspektiven zu Verkehr, Siedlungsentwicklung, Klima, Freiraum und Infrastruktur. Das Forum schafft eine Plattform, auf der diese heterogenen Interessen konstruktiv zusammengeführt werden, um länderübergreifende nach Handlungsansätzen für u.A. Flächenknappheit, Nachverdichtung, Mobilität und Umweltentwicklung zu suchen.

Jahresthemen und strategische Ausrichtung – Lernen von anderen Interessenverbänden und Vereinigungen im interkommunalen Kontext

Das Kommunale Nachbarschaftsforum Berlin-Brandenburg e.V. (KNF e.V.) zeichnet sich als informeller Zusammenschluss von Städten, Gemeinden, Landkreisen und Bezirken im Kernraum von Berlin und Brandenburg durch außergewöhnlich starke interkommunale Kooperation aus. Seit den 1990er-Jahren bringt der KNF e.V. Bürgermeisterinnen, Fachverwaltungen und politische Vertreterinnen im vertrauensvollen, freiwillig getragenen Dialog zusammen – über Ländergrenzen hinweg, auf Augenhöhe und thematisch breit gefächert. Seine besondere Stärke liegt darin, komplexe Themen wie Wohnen, Siedlungsentwicklung, Mobilität, Grün- und Freiraum, Wasser und soziale Infrastruktur gemeinsam in Arbeitsgemeinschaften (AG Nord, Ost, Süd, West) und Anliegengruppen zu bearbeiten – durch kontinuierlichen Informationsaustausch, fachlich fundierte Beiträge und abgestimmte Entwicklungskonzepte. Damit unterstützt der KNF e.V. eine regionale Steuerung – Mit einem klar strukturierten Format wird eine Plattform, in der vertrauensvoll Entscheidungen vorbereitet, Fachwissen eingebracht und gemeinsame Projekte initiiert werden gemeinsame Lösungen möglich, die einzelnen Kommunen allein nicht gelingen – der KNF bietet eine starke, partnerschaftlich organisierte Infrastruktur, um diese Herausforderungen gemeinsam und übergreifend zu bewältigen.

Als Dachverband verbindet das KNF 47 Kommunen in Berlin und Brandenburg, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf dem Großraum Berlin liegt. Gemeinsam mit assoziierten Partnern und extern engagierten Akteuren legt das Forum jährliche Schwerpunkte für bestimmte Themenbereiche fest, darunter zuletzt Verkehr, Transport und Wasserwirtschaft. Angesichts der zahlreichen Gewässer in und um Berlin sowie ihres touristischen Potenzials legt der KNF unter anderem Wert darauf, wie diese Ressourcen nachhaltig entwickelt und erhalten werden können.

Im Rahmen der ersten Bewertung wurde eine Benchmarking-Analyse vergleichbarer interkommunaler Kooperationen und Verbände in ganz Europa durchgeführt. Ziel war es, die zukünftige strategische Ausrichtung des KNF e.V. zu definieren und potenzielle Entwicklungen interner Prozesse sowie externe Kooperationen mit anderen lokalen Behörden, Planungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern zu bewerten und zu untersuchen. Die unterscuhten Verbände wurden unter anderem unter den gesichtspunkten Mobilität, Entwicklung, Energie, Klima und Grünräume, Wirtschaft Tourismus und Digitalisierung betrachtet.

Referenzstruktur, Themen und wichtige Erkenntnisse aus der ersten Benchmarking-Analyse

Wie setzen wir gemeinsame Ideen in konkrete Maßnahmen um?

Innerhalb des Konsortiums und gemeinsam mit der KNF haben wir eine konzeptionelle Leitidee rund um vier zentrale Säulen für die absehbare Zukunft der KNF und ihres Wirkungsbereichs entwickelt. Der Basis der Ausrichtung bezieht sich auf folgende Zukunftsaufgaben und Positionen:

1. Vernetzung – Nahtlose Verknüpfung von Verkehr, Infrastruktur und Netzwerken

2. Region im Gleichgewicht – Förderung einer gerechten Entwicklung über Zuständigkeitsbereiche hinweg

3. Resilienz und Produktivität – Stärkung der Anpassungsfähigkeit an ökologische, wirtschaftliche und soziale Herausforderungen

4. Einzigartigkeit und Schönheit der Landschaft – Verbesserung der Ästhetik und Erhaltung natürlicher Ökosysteme

Zukunftsaufgabe Vernetzte Region

Schienenverkehr stärken – Ausbau, Modernisierung und Taktverdichtung im Regional- und S-Bahn-Verkehr (z. B. Projekt i2030), bessere Güter- und Wirtschaftsverkehre auf Schiene und Wasserstraße zur Entlastung der Straßen

Potenziale des Berliner Außenrings nutzen – insbesondere an Schnittpunkten mit den radialen Bahnlinien

ÖPNV ergänzen – SPNV-Netz durch leistungsfähigen, länderübergreifenden öffentlichen Nahverkehr erweitern

Mobilitätsknoten attraktiver machen – Angebote besser vernetzen, ausbauen und qualitativ verbessern

Radverkehr fördern – länderübergreifende Radverkehrsnetze entwickeln

Zukunftsaufgabe Region im Gleichgewicht

Kooperative Achsenentwicklung unterstützen – strategisch, verträglich und qualitativ, um Wachstum entlang bestehender Infrastrukturen zu lenken

Innenentwicklung stärken – mit ortsangemessenen Dichten und verträglichen Typologien

Siedlungsnahe Freiräume aufwerten – für Naherholung qualifizieren und unzerschnittene Landschaftsräume bewahren

Gewerbe- und Wirtschaftsflächen länderübergreifend entwickeln – fachlich begleiten und interkommunal abstimmen

Soziale Infrastrukturen ausbauen – qualitative Entwicklung und Kapazitätserweiterung auf regionaler Ebene unterstützen

Kompensationsmaßnahmen steuern – länderübergreifend koordinieren und umsetzen

Siedlungsränder gestalten – als interkommunale Verflechtungs- und Ausgleichsräume

Zukunftsaufgabe Resiliente und Produktive Region

Klimaschutz und Klimaanpassung gemeinsam vorantreiben – strategisch und kooperativ

Energie- und Wärmeplanung koordinieren – gemeinsam erarbeiten, klimaneutral erzeugen, effizient verteilen und lokal verbrauchen

Landschaftswasserhaushalt stärken – wiederherstellen sowie Puffer-, Schwamm- und Speicherlandschaften entwickeln

Siedlungsräume klimaresilient umbauen – Schwammstadt-Prinzipien in der Stadt- und Freiraumplanung verankern

Kreislaufwirtschaft fördern – auf regionaler und überregionaler Ebene etablieren und ausbauen

Zukunftsaufgabe Schönheit und Einzigartigkeit der Region

Naturräumliche Vielfalt und regionale Identitäten stärken – Teilräume weiterentwickeln und charakteristische Landschaften bewahren

Regionalparks ausbauen – als interkommunale Plattformen für Erholung, Naturschutz und nachhaltige Entwicklung etablieren

Kulturelles Erbe pflegen – identitätsstiftende Siedlungsstrukturen und Baukultur erhalten

Leitprojekte zur Landschaftsentwicklung initiieren – überregionale Impulse setzen und modellhafte Ansätze umsetzen

Integriertes Bild für den Handlungsraum des KNF

Herausforderungen und Ergebnisse

Anfangs war sich KNF selbst über seine Kernaufgabe im Unklaren, was tatsächlich ein wichtiger Faktor für den Start des Projekts war. Unsere Rolle trug jedoch dazu bei, interne Überlegungen anzustoßen und kritische Fragen wieder aufzuwerfen, die zuvor übersehen worden waren.

Die Koordination mit einem Forum, in dem verschiedene Akteure vertreten waren, die jeweils unterschiedliche Interessengruppen und Agenden vertraten, war die größte Herausforderung des Projekts. Obwohl alle Mitglieder ein gemeinsames übergeordnetes Ziel verfolgten, unterschieden sich ihre Prioritäten und Interpretationen oft voneinander.

Dank der neutralen Moderation durch das Managementteam und den Vorstand von KNF, die die Kluft zwischen den unterschiedlichen Perspektiven überbrückten, konnten wir Gemeinsamkeiten identifizieren. Das Ergebnis war eine kohärente, integrative Vision, die den unterschiedlichen Interessen aller Beteiligten gerecht wurde.

Letztendlich verlief der Prozess reibungslos und führte zu einem klaren und positiven Ergebnis. Der nächste entscheidende Schritt besteht nun darin, das strategische Leitbild umzusetzen und den erarbeiteten Handlungsanregungen zu folgen.

Was kommt als Nächstes?

Für TSPA war dies die bedeutendste Zusammenarbeit in Berlin in den letzten Jahren, ein Meilenstein, den wir mit Begeisterung begrüßt haben. Trotz der typischen Dynamik zwischen den Institutionen war die Partnerschaft sowohl produktiv als auch konzeptionell präzise.

Der weitere Erfolg hängt nun von der Fähigkeit des KNF ab, die Empfehlungen umzusetzen und das Leitbild in konkrete Maßnahmen zu übersetzen. Wir gehen davon aus, dass diese Zukunftsvision zunehmend nach außen getragen wird und sich in der gesamten Region Berlin-Brandenburg konkret niederschlägt.

Fotos aufgenommen und im Eigentum von complan Kommunalberatung GmbH, KNF e.V. Repräsentanz, im Auftrag von KNF e.V.